Presse

Respekt und Toleranz

Liechtensteiner Vaterland - 22. Mai 2014

Lieber Herr Gassner, danke für Ihren geradezu prophetischen Leserbrief im «Vaterland» vom 20. Mai. Er hat uns beflügelt, eine kleine Replik zu verfassen. Sie scheinen viel Schlimmes erleben zu müssen. Mann heiratet Mann, Frau heiratet Frau, und dann möchten diese auch noch eine Familie mit Kindern gründen. Ihrer Ansicht nach führt dies zu sozialer Anarchie und zur Zerstörung der Familie. Aber was ist eigentlich «Familie »? Familie ist «daheim sein», Familie ist Geborgenheit, Unterstützung und Liebe. Familie definiert sich nicht über die sexuelle Orientierung, sondern über ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl. Jeder, egal ob hetero-, homo-, bi- oder sonst wie sexuell, hat das Recht, irgendwo «daheim zu sein», wo er sich geborgen und geliebt fühlt. In diesem Sinne müssen wir Ihnen widersprechen, wenn Sie sagen, Heterosexualität sei eine Voraussetzung von Ehe und Familie.

Es erstaunt uns, dass Sie vor einer «kleinen Minderheit», wie Sie LGBTIs selbst nennen, so grosse Angst zu haben scheinen und «die Zukunft der ganzen Gesellschaft» verteidigen müssen. LGBTIs führen keinen Kampf gegen die Gesellschaft, die Kultur oder die Familie. Sie sind Menschen wie Sie und wir, welche als Teil der Kultur und Gesellschaft, als Familien in Liechtenstein leben. Dabei sind Respekt, Toleranz und Gleichberechtigung in jeder Hinsicht wichtig – gerade auch in einem modernen, offenen Liechtenstein.

Sie mögen sich als edlen Ritter darstellen, welcher Liechtenstein vor dem «Bösen» beschützt. In Wahrheit aber verstecken Sie sich hinter dieser Rüstung, um den Tatsachen nicht ins Auge schauen zu müssen. Der Tatsache, dass die Toleranz und Gleichberechtigung für LGBTIs in Europa stetig steigt, wie der Sieg von Conchita Wurst beim ESC gezeigt hat. Wir können Conchita Wurst für diesen phänomenalen Sieg nur gratulieren.

Sollten Sie, Herr Gassner, sich mal einsam fühlen, sind Sie herzlich eingeladen, ihre Rüstung abzulegen, an einem Hock von Flay – jeden 1. Donnerstag im Monat – teilzunehmen und uns als ganz «normale» Menschen und Familienmitglieder kennenzulernen.

Leserbrief von Hans Gassner

Wir möchten uns bei Herrn Schädler für seine Antwort auf den Leserbrief von Herrn Gassner bedanken.
Den Leserbrief von Herrn Schädler findet ihr hier

Ebenfalls hat Frau Ospelt eine Antwort an Herrn Gassner geschrieben, auch ihr ein herzliches Dankeschön.
Den Leserbrief von Frau Ospelt findet ihr hier


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