Presse

Sehr geehrte Damen und Herren

Vor etwa 5 Jahren stimmte Liechteinstein mit knapp 70% eingetragenen Partnerschaften zu. Ist das ein möglicher Hinweis darauf, dass Homosexuelle in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind?

Viele alltägliche Situationen nötigen Lesben und Schwule, sich entweder zu verstecken oder sich zu outen. Verstecken sie sich, wächst die Angst vor Entdeckung, outen sie sich, kann der Mensch sein, wie er will – er wird auf seine sexuelle Orientierung reduziert. Immer noch braucht es Mut, Selbstbewusstsein und eine dicke Haut, wenn Frauen oder Männer sich zum gleichen Geschlecht bekennen.

„ Immer noch sind Diskriminierung und Verachtung das tägliche Brot vieler Homosexueller. Am schlimmsten ist es für junge Menschen, die nicht selten vom Elternhaus ignoriert oder verstossen werden. Niemand sucht sich seine sexuelle Orientierung aus. Soviel wissen wir im 21. Jahrhundert.

Ich habe mit vielen jungen Menschen gesprochen, um zu erfahren, wie es ihnen mit ihrem Outing geht. Ich bin entsetzt, dass sich das manchmal anfühlt wie in den rigiden 50er Jahren. Junge Menschen spielen mit dem Gedanken an Auswandern und im schlimmsten Fall mit dem Gedanken an Suizid. Das ist unerträglich.

Und jetzt gehen wir einen Schritt weiter. Erwachsene Homosexuelle, die bereits die Odysse des Outings hinter sich haben, in Liechtenstein vergleichsweise akzeptiert sind und in langjährigen Partnerschaften leben, wünschen sich Kinder. Was soll daran abwegig sein? Warum berufen sich alle darauf, dass es um das Wohl der Kinder gehe und nicht um den Wunsch dieser Menschen? Ist das bei Heterosexuellen auch so? Unterstellt heterosexuell orientierten Menschen irgendjemand Egoismus, Unfähigkeit und schädigendes Verhalten gegenüber Kindern?

In Deutschland leben heute schon mehr als 10.000 Kinder mit homosexuellen Eltern. Wer will allen Ernstes behaupten, dass dies keine Familien oder keine glücklichen Kinder sind?

Die Politik hat es in der Hand, den Boden für Akzeptanz oder Ausgrenzung zu schaffen. Eine ablehnende Politik der Bedenkenträger sendet Botschaften aus, die den homophoben Teil unserer Gesellschaft in seinen Vorverurteilungen stärkt und Vorurteile zementiert.

Ich orientiere mich lieber an Carolin Emcke, der diesjährigen Friedenspreisträgerin des deutschen Buchhandels:

„Wir dürfen Reden halten in der Pauluskirche, aber heiraten und Kinder adoptieren dürfen wir nicht? Menschenrechte sind kein Nullsummenspiel. Niemand verliert seine Rechte, wenn sie allen zugesichert werden. Menschenrechte sind voraussetzungslos. Sie können und müssen nicht verdient werden. Es gibt keine Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit jemand als Mensch anerkannt und geschützt wird. Zuneigung oder Abneigung, Zustimmung oder Abscheu zu individuellen Lebensentwürfen, sozialen Praktiken oder religiösen Überzeugungen dürfen keine Rolle spielen. Das ist der Kern einer liberalen, offenen und säkulären Gesellschaft....“

Soweit das Zitat. Ehe für alle und die Möglichkeit Kinder zu adoptieren wäre das Ende der Ausgrenzung. Und im besten Fall würde dieser gesetzliche Rahmen dazu führen, dass es irgendwann einmal auch in den Köpfen und Herzen der Menschen klick macht. Menschenrechte sind kein Nullsummenspiel.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

10.12.2016

Festakt Gründung MRV

© Karin Jenny


Download Logo

Erhalten Sie hier das Vereinslogo zur Verwendung in den Medien

(Bitte beachten Sie hierzu das Impressum)

Download

Go to top